OSTEOPATHIE

Geschichte und Entwicklung der Osteopathie

Das osteopathische Konzept basiert auf den Forschungen und Lehren des amerikanischen Arztes Andrew Taylor Still (1828–1917). Er lehrte Ende des 19. Jahrhunderts Anatomie und sein Verständnis des menschlichen Körpers und seiner Funktionen. Still ging von dem umfassenden Ansatz aus, dass Körper, Seele und Geist funktionell und strukturell untrennbar sind. Dieses soll auf einem Zusammenspiel von Bindegeweben (Muskeln, Knochen, Faszien, Bändern und Sehnen), Organen, den Nervensystemen und Flüssigkeiten (Blut, Lymphe und Hirnflüssigkeit) beruhen. Folglich beeinflussen Funktionen und Strukturen sich gegenseitig und bilden eine Einheit. So betrachtet entstand eine komplexe Behandlungsmethode, die den Bewegungsapparat, das organische System, sowie das Nervensystem untersucht und behandelt.

Lehre und Verbreitung der Osteopathie

In den USA begann die Ausbildung von Osteopathen Ende des 19. Jahrhunderts an der heutigen „AT Still University“ und Absolventen tragen seither den ärztlichen Titel „Doctor of Osteopathy“ (D.O). Anfang des 20. Jahrhunderts gründete John Martin Littlejohn, ein Schüler Stills, die „British School of Osteopathy“ in London (GB) und ein eigener Beruf etablierte sich auch dort. Zunehmend begann die Ausbildung von Osteopathen in Frankreich und den Beneluxstaaten, welche ebenfalls über einen eigenen Berufsstand verfügen, bis die Osteopathie in den 1970er Jahren auch Deutschland erreichte. Hierzulande wird eine meist 5 jährige berufsbegleitende Zusatzausbildung vorwiegend von Ärzten, Heilpraktikern und Physiotherapeuten absolviert. Einen eigenen Beruf bzw. die Berufsbezeichnung „Osteopath“ gibt es bisher in Deutschland noch nicht. Aktuell praktizieren daher nur Ärzte und Heilpraktiker selbständig die Osteopathie legal in Deutschland. Zunehmend suchen klassische Schulmediziner wie z.B. Orthopäden, Rheumatologen, Gynäkologen, Internisten, Kinderärzte, Zahnärzte/Kieferorthopäden und Psychiater/Psychologen die Zusammenarbeit mit Osteopathen, da Kooperationen im Sinne fachübergreifender Betrachtungen sich als erfolgreich und im Sinne der Patienten dargestellt haben.

Bereiche der Osteopathie

Gemäß Stills umfassender Betrachtung der Einheit von Körper, Seele und Geist werden didaktisch 3 Teilbereiche/Systeme unterschieden:

  1. Das Parietale System: Dieses bezeichnet den physischen Körper, mit dem Schwerpunkt Bewegungsapparat.
  2. Das Viszerale System: Dabei handelt es sich um alle Organe des Menschen mit ihren Hüllen-, Versorgungs- und Aufhängesystemen.
  3. Das Kraniosakrale System: Hier werden die Strukturen des zentralen, peripheren und vegetativen Nervensystems inklusive umgebender Strukturen und Flüssigkeiten betrachtet.

Wie verläuft eine Behandlung?

Ausgangspunkt jeder Behandlung ist ein eingehendes Patientengespräch, die Anamnese, und anschließend eine genaue Untersuchung des gesamten Körpers. Mittels dieser spezifischen Vorgehensweise wird versucht eine dirigierende Problematik des Patienten zu definieren und dann die Behandlung zu planen. Als Patient muss man sich neben der Anamnese darauf einstellen, dass eingehend untersucht, also betrachtet, abgetastet, und bewegt wird. Je nach Untersuchungsergebnis kommen verschiedene Behandlungsansätze zum Einsatz. Wahlweise werden Gelenk und Gewebetechniken, Techniken zur Organbehandlung, oder zur Einflussnahme auf das Nervensystem am Patienten durchgeführt.

Manuelle Untersuchung von Wirbelsäule und Rippen unter Einbeziehung der Atmung im Stand. Funktion von Bewegungsapparat und Lunge werden im Zusammenspiel betrachtet.
(Quelle: VOD e.V.)

Beidhändige Funktionsuntersuchung der Hüften eines Säuglings in Rückenlage um mögliche Ursachen für eine Bewegungsauffälligkeit beim Kriechen zu beurteilen.
(Quelle: VOD e.V.)

Untersuchung eines kindlichen Ellenbogens um mögliche Folgen eines Sturzes zu beurteilen.
(Quelle: VOD e.V.)

Tastuntersuchung des Gesichtsschädels im Bereich Kieferhöhlen bei einem Kind zur Beurteilung der Mobilität von Knochen, Bindegeweben und Nervenaustrittstellen.
(Quelle: VOD e.V.)

Test des Zusammenspiels von Faszien und Gefäßemobilität für den oberen Brustkorb, das linke Schlüsselbein und die Halswirbelsäule in Rückenlage.
(Quelle: VOD e.V.)

Mobilitätsuntersuchung des rechten Mittelfußes einer Leichtathletin nach Gipsentfernung.
(Quelle: VOD e.V.)

Sogenanntes „Einrenken“ kommt in unserer Praxis eher selten vor, kann aber durchaus einmal ein sinnvoller Bestandteil der sonst eher sanften Behandlung sein.
Unser Hauptaugenmerk gilt der freien Mobilität, dem Austausch, der Kommunikation und Interaktion aller Flüssigkeiten und Prozesse für die Funktionsfähigkeit der Gewebe eines Menschen mit Bezug auf Stills Einheit von Körper, Seele und Geist.

„Leben ist Bewegung“

Praktisch überraschend mag wirken, dass eine osteopathische Behandlung nicht unbedingt immer am aktuellen Problemort beginnt. Die verschiedenen Systeme des Körpers können individuell und variabel in verschiedene Bereiche eines Körpers projizieren oder kompensieren. Beispielhaft könnten die Nieren und Schmerzen im Rücken, oder die Halswirbelsäule und Probleme im Arm in Zusammenhang stehen.

Annäherung an die Austrittsöffnungen für Nerven und Blutgefäße des Hinterkopfs im Übergangsbereich zur Halswirbelsäule in Rückenlage.
(Quelle: VOD e.V.)

Mobilitätsuntersuchung der linken Schulter in Seitlage zur Beurteilung der Gelenkkapsel in Bezug auf Abspreizbewegungen.
(Quelle: VOD e.V.)

Beurteilung der Bauchdecke einer schwangeren Frau im Hinblick auf Beschaffenheit, Spannungsmuster und deren Interaktion mit Organbewegungen.
(Quelle: VOD e.V.)

Beurteilung des Übergangs von Brustwirbelsäule zur Lendenwirbelsäule in Bauchlage.
(Quelle: VOD e.V.)

Befundaufnahme des Handgelenks eine älteren Patienten mit einer Belastungsstörung nach Alltagsverletzung.
(Quelle: VOD e.V.)

Viele Frauen wissen auch um die Zusammenhänge von Monatszyklus und Bewegungsapparat. Unter Umständen gibt es nicht nur ziehende Symptome im Unterbauch, sondern auch Befindlichkeiten am unteren Rücken, oder ein temporär verändertes emotionales Verhalten. All dies muss nicht Ausdruck von Problemen sein sondern soll hier nur beispielhaft zeigen, dass verschiedenste Systeme des Körpers mit ganz unterschiedlicher Lage in Verbindung sind.

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Behandlungsdauer, Häufigkeit & Kosten

Eine Behandlung dauert im Durchschnitt 60 Minuten. Aus Erfahrung empfiehlt sich meist ein Behandlungsintervall von 10 Tagen bis zu 3 Wochen. Zu Beginn sind durchschnittlich 3 Behandlungen sinnvoll, danach sollten Tendenzen erkennbar und der weitere Behandlungsverlauf bestimmbar sein. Oft werden folgend die Intervalle länger oder die Behandlung endet. Vielleicht werden auch weitere medizinische Disziplinen hinzugezogen oder sogar die Behandlung komplett übergeben. Natürlich gibt es Ausnahmen, welche jedoch immer individuell besprochen werden.

Die Behandlungskosten werden anhand der Gebührenordnungen für Ärzte oder Heilpraktiker privat berechnet und sind Erstattungsfähig durch eine private Krankenversicherung und die Beihilfestellen. Einige gesetzliche Krankenversicherungen gewähren seit 2012 Zuschüsse, hier ist es jedoch unbedingt sinnvoll vor Behandlungsbeginn die jeweiligen Konditionen der eigenen Versicherung für osteopathische Leistungen zu erfragen. Unsere Praxis ist Mitglied im VOD e.V. und verfügt über alle notwendigen Registrierungen.